Startup im Interview: Cropfiber

  • Automotive
  • Veröffentlicht am: 20.02.2020
Startup im Interview: Cropfiber

Mit ihren Produkten für die Automotive-Branche will Cropfiber aus Dortmund den Kohlefaserausstieg angehen.

Hallo Nils, was ist die Geschäftsidee hinter Cropfiber und der Marke Asphaltkind?

Mit Cropfiber gehen wir den Kohlefaserausstieg an. Wir entwickeln und vermarkten Produkte aus Naturfasern, welche ähnlich gute Eigenschaften vorweisen können wie Carbon-Komponenten. Das heißt bei geringem Gewicht, eine hohe Stabilität und dabei noch ansprechende Optik.

Hierbei fokussieren wir uns vorerst auf die Automobilbranche, wo das Thema CO2 und Gewicht derzeit eine große Rolle spielt.

Der große Unterschied zwischen unserem Material-Mix und Kohlefaser-Komponenten, liegt in der Umweltbelastung. Kurz gesagt, braucht man für die Kohlefaser-Produktion und Verarbeitung sehr hohe Temperaturen, was ökologisch eine große Belastung darstellt. Mit Cropfiber können wir bspw. schon in der Produktion und der anschließenden Verarbeitung einen 75% geringeren CO2-Ausstoß gegenüber Carbon erreichen. Weitere Pluspunkte erlangen wir im Bereich Kosten, Recycling und Crash-Eigenschaften. Auf unserer Website haben wir dazu einen Vergleich beider Werkstoffe veröffentlicht.

Um den Werkstoff und seine Stärken in der Automobilbranche unter Beweis zu stellen, entwickeln wir derzeit unter der Marke ASPHALTKIND an einer Dachbox für Sportwagen und Elektroautos, welche besonders in den Bereichen Aerodynamik, Stabilität, Gewicht und Design punktet. Eben genau den Bereichen, die man für weitere Karosserie-Teile benötigen würde…

Wie ist die Idee entstanden?

Wie so oft ist aus einem Hobby und einer Leidenschaft eine Geschäftsidee entstanden.

Nach der Anschaffung eines Sportwagens im Sommer 2018 kritisierte meine Freundin nach etwa zwei Wochen, dass das Auto ja eh bald wieder abgegeben werden muss, wenn mal Kinder kommen würden.

Der Besuch im Dortmunder Babymarkt zeigte ihr dann (zu meinem Glück), es gibt Kindersitze, die auf die Rücksitze passen und Kinderwagen, die in den Kofferraum passen.

Aber nichtsdestotrotz fehlt einem, wie bei vielen anderen Autos auch, etwas Kofferraumvolumen. Demnach habe ich mich auf die Suche nach der perfekten Dachbox gemacht. Da sich das Ganze komplizierter gestaltete, als gedacht, habe ich unter dem Namen „ASPHALTKIND“ einen Blog aufgesetzt, um meine Erfahrungen weitergeben zu können. Leider bzw. aus aktueller Sicht „zum Glück“, habe ich keine Dachbox gefunden, die meinen Ansprüchen genügte.

Also habe ich beschlossen, selber eine Lösung zu entwickeln. Auf der Suche nach dem richtigen Material, bin ich dann auf einen Presseartikel von Porsche gestoßen, die für ein Forschungsprojekt im Rennsport bei einigen Bauteilen die Kohlefasern durch Naturfasern ersetzten.

Perfekt dachte ich mir, das kann ich auch. Nach einem Besuch und etwas Recherche an der Nürburgring-Nordschleife fand ich mich kurz drauf im Keller eines Freundes wieder, wo wir die ersten Probeplatten aus Naturfasern fertigten.

Seitdem hat sich unsere Mission verfestigt, dass wir ohne Kompromisse für uns und den Kunden, dem Planeten etwas Gutes tun möchten. Vorangetrieben durch das Entwickeln von Innovationen und das Ersetzen von einem Werkstoff, der schädlicher ist, als viele denken.

Es braucht eben nicht immer Kompromisse, wie Fahrverbote oder Steuererhöhungen. Besser sind unserer Meinung nach Erfindungen, die wiederum die Wirtschaftskraft für neue Innovationen und weitere Startups stärken.

Wer sind Eure Kunden und was ist Euer Geschäftsmodell?

Unsere Zielgruppe können wir in zwei Bereiche einteilen:

Speziell im Bereich der Dachbox sind es Fahrer von Autos aus dem Premium- und Elektrosegment, die großen Wert auf Aerodynamik, Stabilität, Gewicht und Design legen.

Eine weitere Zielgruppe ordnen wir in den B2B-Bereich ein. Hierbei konnten wir schon erste Gespräche mit Autoherstellern und -Zulieferern führen.

Wie finanziert Ihr Euch?

Bisher sind wir größtenteils eigenfinanziert. Laufende Kosten stemmen wir derzeit noch recht bootstrapping-mäßig über die Entwicklung von Websites. Wenn also hier der Bedarf bei den Lesern nach einer neuen oder überarbeiteten Website oder Landingpage besteht, gerne melden. :)

Mit unserer Geschäftsidee konnten wir aber auch bereits mit dem NRW-Gründerstipendium eine erste Förderung erfolgreich beantragen und uns zudem erfolgreich für das Startup Innolab bewerben. Hinzu kommt recht zeitnah Kapital eines Investors, der von unserer Mission von Beginn an begeistert war und uns bei der Prototypenentwicklung unter die Arme greifen möchte.

Zudem sind wir auch kreativ beim Kosten sparen. Um erste Tests bzgl. UV- und Salz-Einwirkungen zu machen, haben wir eine Test-Platte im Urlaub „für uns arbeiten lassen“.

Wie wollt Ihr Euch bekannt machen?

Um Reichweite zu erlangen setzen wir auf verschiedene Bausteine. Zum einen planen wir einen Markenaufbau, der durch digitale Kanäle wie Instagram direkt mit dem Kohlefaserausstieg made in Ruhrpott in Verbindung gebracht wird und zum anderen ist speziell für unsere Dachbox unter der Marke ASPHALTKIND ein Crowdfunding geplant, bei dem wir zwei Ziele verfolgen: Reichweite und Vorbestellungen.

Sobald es einen ersten Prototypen gibt, werden wir einen Großteil der Reichweite durch Produktplatzierungen erreichen können.

Wer gehört zum Gründer-Team und wie seid Ihr zusammengekommen?

Derzeit besteht das Team aus fünf Personen: Lars (Automobildesigner), Waldemar (Werkstoffingenieur), Katrin (Produktmanagement), Asmae (Textilingenieurin) und Nils (Marketing und Geschäftsführung).

Zum zweiten Teil der Frage: Waldemar und ich haben über einen Zufall in meinem damaligen Coworking-Space zusammengefunden.

Katrin stieß zum Team, indem ich auf der Hannover Messe meinen ehemaligen Studiengangsleiter getroffen habe. Ihm pitchte ich kurz die Idee und nach kurzer Zeit hatte ich eine Bewerbung von Katrin im Postfach.

Unser Automobildesigner Lars arbeitet als Freelancer unter anderem für die Automobilbranche. Gefunden habe ich ihn über XING. Eigentlich wollte ich nur eine kurze Skizze, aber letztendlich wurde eine sehr enge Zusammenarbeit draus.

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Derzeit befinden wir uns in der finalen Entwicklung der Dachbox. Das Produktdesign wurde vor Kurzem in CAD umgesetzt. Ein echt schöner Moment war, das Design durch die 3D-Drucktechnik das erste Mal in der Hand halten zu können.

Jetzt geht es an das Innenleben der Dachbox, wie das Schließsystem und das Scharnier. Hierfür sind wir derzeit auch noch auf der Suche nach Unterstützung mit ingenieurswissenschaftlichem Background.

Neben der Dachbox tüfteln wir weiter am perfekten Materialmix, um unsere Zielkennwerte zu erreichen.

Du selbst warst ja eher mit digitalen Projekten unterwegs. Wie ist es jetzt mit einem physischen Produkt. Was ist da anders und wo sind die besonderen Herausforderungen?

Physische Produkte haben in vielen Bereichen komplett andere Anforderungen, als digitale Projekte. Neben Budget für Material muss man sich auch immer Gedanken machen, wie sich der Werkstoff produzieren und verarbeiten lässt. Dazu kommen Fragen auf, welchen Produktionsstandort man wählt und natürlich auch die große Frage, wie kommt das Produkt zum Kunden?

Aber grundsätzlich macht genau das sehr großen Spaß! Man hat ein Produkt, welches man anfassen und bspw. bei einem Pitch rumreichen kann.

Eine recht besondere Herausforderung, die ich vorher kaum wahrgenommen habe, war übrigens die Suche nach Partnern und Netzwerken. Es gibt eine Vielzahl an digitalen Hubs, Accelerator-Programmen und Coding-Veranstaltungen, aber nur weniger sichtbar Initiativen, die sich mit physischen Produkten befassen.

Cropfiber ist nicht Dein erstes Startup. Was waren Deine wichtigsten Learnings bisher? Bist Du an die Gründung von Cropfiber anders herangegangen?

Die Gründung selber konnte ich recht schnell umsetzen. Man weiß mittlerweile was wann und wo gefordert wird.

Zur Gründungsphase an sich lässt sich sagen, dass wir dieses Mal erst abgecheckt haben, welche Förderungen nur vor der Gründung funktionieren und welche eine Gründung voraussetzen.

Last but not least, haben wir dieses Mal einen echten Businessplan, der nach den Kriterien von Start2Grow ausgearbeitet ist. Das hilft einem strategisch recht stark und wurde bei den bisherigen Projekten unterschätzt.

Zum Schluss Dein ultimativer Tipp für angehende Gründer?

Finde dein Warum!

Bei mir hat es mit einer Suche für eine Dachbox angefangen, beeinflusst von einem etwas schlechten Gewissen durch CO2-Ausstoß bei meinem Sportwagen endet es bestenfalls in einer Erfolgsstory, die den Kohlefaserausstieg einläutet. Einfach mit dem Ziel, dass alles was Spaß macht, auch neutral gegenüber der Umwelt sein könnte, wenn wir Lösungen entwickeln.